Deutschland,  Vorbereitung

Lerne was, so kannst du was

Ende August standen Benja und ich ziemlich unter Stress. Irgendwie kommen doch viele Dinge auf einen zu, wenn man das Heimatland für länger verlassen möchte.
Unsere To-Do Liste war ziemlich lang und einige Sachen sind immer noch nicht abgehakt.

Wir haben unsere Arbeitsstellen, Verträge, Versicherungen und die Wohnung gekündigt,
ich bin einmal krank geworden, Benja hat sich die Nasenscheidewand richten lassen, wir haben unsere Möbel verkauft, und uns von den ersten Menschen, die wir aus verschiedenen Gründen die nächsten Monate nicht mehr sehen, verabschiedet.
Ich bin ehrlich: Tschüss sagen fällt nicht leicht. Am liebsten ist mir ja kurz und schmerzlos. Denn sobald ein “es ist so schade dass ihr geht” oder ein “du/ihr wirst/werdet fehlen” kommen, weiss ich nicht was ich antworten soll. Ich werde alles hier so wahnsinnig vermissen, dass kann man sich nicht vorstellen. Deshalb will ich auch noch gar nicht darüber nachdenken.

Aber wenn man schonmal dabei ist:
Ist es denn wirklich gut, dass wir gehen? Könnte man sich nicht auch hier einer “guten Sache” verpflichten? Oder, wie es in unserem Fall ist, sich auch in Deutschland für seinen Glauben, seine Überzeugung, einsetzen? Muss man erst ins Ausland deswegen gehen? Werde ich nicht einsam sein in Malawi? Komme ich, Johanna, überhaupt mit den Umständen zurecht?
All diese Fragen waren und sind manchmal immer noch sehr präsent in meinem Kopf. Es fällt mir wahrlich nicht leicht, meine Familie zu verlassen. Wenn ich überlege, dass mein ältester Neffe acht jahre alt sein wird, wenn wir nach drei Jahren wieder kommen, bekomme ich Muffensausen. Dann ist er ja schon Zweitklässler! Dann hat er ja einen riesigen Entwicklungsschritt gemacht! Was wird sich noch alles verändern? Was werden wir verpassen?

Die Kandidatenwoche von CFI
Genau richtig kam die Kandidatenwoche von CFI (Christliche Fachkräfte International)
Hier wurden wir eine Woche lang zugerüstet, mit fachlichem und geistlichem Input.
Wir haben dort nicht nur viel gelernt, sondern auch wunderbare Menschen kennen gelernt – die sogar teilweise die gleichen Gedanken hatten. Was uns aber trotz Unsicherheit antreibt: Gott ist mit uns und hat für jeden Menschen eine  individuellen Plan. Für den einen ist es in Uganda, für den anderen Kolumbien, oder manch einer ist im Nachbardorf am richtigen Platz. Und das ist gut so.
Im Nachgang dieser Woche nutzten wir auch die Nähe nach Tübingen, um uns beim Tropenzentrum impfen und durchchecken zu lassen – Fun Fact: Der praktizierende Arzt dort war selbst mit CFI vor einigen Jahren im Ausland.
Am selben Tag ging es dann noch zum Vertragsgespräch zurück in die Zentrale.

Wir sind sehr beeindruckt von unserem starken Partner in Stuttgart. Von Krankenversicherung bis Moskitonetz kümmern sie sich um unser Wohlergehen, sodass wir uns voll und ganz auf das Wesentliche konzentrieren können:
Die Mitarbeiter von FACE in Zalewa.


Tschüss, trautes Heim! Hallo Bonn!
Den Rest des Septembers verbrachten wir dann nur noch mit dem Auszug aus unserer Wohnung und den provisorischen Einzug bei meinen Eltern. Bei den letzten fertigen Umzugskartons überkam uns doch tatsächlich eine Welle der Nostalgie: zwei Jahre sind eigentlich nicht lang, aber trotzdem hängen an diesen vier Wänden schöne Erinnerungen. (Und so viel Kram!)

Seit dem 01.10 sind wir bei CFI unter Vertrag und verbringen seit dem 07.10 unsere Vorbereitungszeit am Campus Kottenforst der GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) in Bonn.
Die Nacht davor verbrachten wir bei unseren lieben Freunden Alex und Evi, die unseren Hund Nelson bei sich aufnahmen. Der hat sich als richtiger “Travel-Dog” erwiesen, da er bislang alles mit professioneller Ruhe mitgemacht  und auch die erneute Umgebungsumstellung gut verkraftet hat

Den ersten Monat hier am Campus verbringen wir mit Chichewa-Unterricht. Da unsere Sprachlehrerin leider nicht persönlich anreisen konnte (momentan ist sie in Malawi, lebt aber eigentlich in Deutschland), findet der Unterricht via Skype statt. Der sehr moderne Campus ist dafür aber optimal ausgestattet, sodass die physische Entfernung dem Unterricht nicht schadet.

Es ist schon seltsam, wirklich 24 Stunden miteinander zu verbringen, und das 7 Tage die Woche. Wann hat man schonmal so eine intensive Zeit als Paar? Oft hat man doch nur wenige Minuten am Morgen und, wenn man nicht gerade anderswo verabredet ist, die Abendstunden miteinander. Ich freu mich sehr auf die nächsten 7 Wochen. Auch, weil wir nach dem Unterricht viel freie Zeit haben und das Rheinland ein bisschen erkunden können – ohne dass der Haushalt wartet oder irgendwelche Termine anstehen. Herrlich!

Generell können wir sagen:
Das wird auf jeden Fall eine Zeit des Lernens sein.

2 Kommentare

  • Stefanie

    Liebe Johanna,
    lieber Benjamin,
    ich habe es endlich mal geschafft, Euren Blog zu lesen und werde auch weiterhin immer mal wieder vorbei schauen.
    Johanna, du schreibst richtig toll. Euer Weg des Kennenlernens hat mich sehr gerührt. Ich freue mich, dass Ihr Euch verwirklichen könnt. Ihr seid tolle Menschen. Benjamin, es war schön mit dir zu arbeiten. Ich bewundere Euren Mut und wünsche Euch von Herzen alles Gute! Toll, dass Ihr Euren Hund mitnehmen könnt 🙂
    Liebe Grüße
    Stefanie

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