Deutschland

Wenn etwas ins Rollen kommt

Benjamin und Ich sind zwei Mittzwanziger und leben im schönen Städtedreieck Wolfsburg-Gifhorn-Braunschweig. Wir sind seit zwei Jahren verheiratet, seit fast genau der gleichen Zeit auch Hundebesitzer, lieben lange Spaziergänge, fremde Länder, gutes Essen und können einen starken Espresso wertschätzen. Wir sind zusammen zur Schule gegangen, bis sich unsere Wege trennten, als wir jeweils das Unbekannte, Neue in Südamerika und Afrika suchten.

Plötzlich sahen wir beide dann, dass unsere Welt in der Volkswagenregion eine komplette Parallelwelt war. Plötzlich sahen wir, dass Menschen in Dritte-Welt- und Schwellenländern einer ganz anderen Realität gegenüberstanden. Einer Welt, in der der tägliche Schulgang nicht selbstverständlich ist, weil die Schulkosten nicht getragen werden können. Wo Kinder sich glücklich schätzen können, halbwegs die vierte Klasse beendet zu haben.

Was können wir dafür in Deutschland geboren zu sein und nicht in den Favelas, den Armenvierteln, irgendwo an den Stadträndern von Rio de Janeiro. Wir lieben die Vorzüge unseres schönen Lebens in Deutschland, in dem man sich in der Regel nicht darum sorgen muss, wie man als 15 jähriges Mädchen von dem Mann loskommt, bei dem man leben darf, wenn man sich ihm Nachts zur Verfügung stellt – weil man sonst nichts und niemanden hat.

Meine Zeit in Brasilien

Ich kam dorthin, um einen Internationalen Jugendfreiwilligendienst zu absolvieren. In einer kleinen Stadt haben ich und einige andere deutsche Jugendliche in einer KiTa ausgeholfen. Die Arbeit war nicht wirklich weltbewegend, ich habe dort nichts außergewöhnliches vollbracht, außer mal Toiletten geputzt und ein bisschen mit den Kindern gespielt. Aber meine eigene kleine Welt hat sich seitdem verändert.
Ich war Gott plötzlich sehr dankbar für mein Leben. Und ich wollte denen helfen, die in Situationen geraten sind, aus denen sie aus eigener Kraft nicht mehr herauskommen. Ich wollte alles was ich kann den Versen widmen, die uns als Christen kennzeichnen sollten:

Jesus antwortete: „‚Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzem Verstand!‘ Das ist das erste und wichtigste Gebot. Das zweite ist ebenso wichtig: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!’“‭‭
Matthäus‬ ‭22:37-39‬ ‭

Ich begann eine Ausbildung zur Ergotherapeutin. mein Wunsch war es, mit dem Gelernten dann irgendwann in die Mission zu gehen. Am liebsten nach Niger oder so. Aber das war nur ein kleiner Traum, den ich nicht wirklich ernst nahm – Gott aber irgendwie schon.

Wenn zwei sich finden

Als ich im letzten Praktikum steckte, kam Benjamin für seinen Heimaturlaub zurück nach Deutschland. Aus seinem Volontariat in Malawi wurden aus drei Monaten erst sechs Monate, dann ein Jahr und nach seinem Urlaub wollte er noch ein Jahr dranhängen. Die Menschen dort ergriffen sein Herz. Er war irgendwie verloren in Südostafrika. Liebe ist verschwenderisch.

Unglaublich interessiert an den Erfahrungen des anderen, fanden wir uns beide in der kurzen Zeit seines Urlaubs. Hätten wir uns vielleicht früher intensiver miteinander beschäftigt, könnten wir unsere Beziehung heute als Sandkastenliebe betiteln, doch wir mussten uns wohl erst selbst auf verschiedenen Kontinenten finden um unser Innerstes erzählen zu können um somit entdecken zu können, dass wir uns so gleichen.
In seinem zweiten Malawi-Jahr besuchte ich ihn und war hin und weg von dem Ort, in dem der FACE Campus steht und wo Benjamin arbeitete.

 

 

(FACE ist ein gemeinnütziger Verein, gegründet von jungen Wolfsburger, die erkannt haben, dass Bildung der Schlüssel ist. Momentan betreibt FACE eine kostenfreie Secondary School für unterprivilegierte Kinder in Zalewa, einem kleinen Ort im Süden von Malawi. Es lohnt sich mal vorbei zu schauen: >> FACE – WE PROJECT FUTURE)

Auf den Straßen riefen die Kinder, wenn wir durch die Dörfer schlenderten, „Benja, Benja, bo?“ – Ich wusste nicht, ob wir hier wieder zurück kommen werden. Den Moment so wie er ist, in seiner Schönheit – lachende Kinder, meine große Liebe, die ich so sehr bewundere neben mir, an diesem Ort – einfach festhalten, das wollte ich. Den Namen „Benja“ hat er für mich seit dem behalten.

Ich will mehr

Malawi ist nicht nur schön in der Weise wie Land und Leute gegeben sind, es hat auch Potenzial zu mehr. Man muss nur helfen anzupacken.
Nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit war ein Thema, welches Benja seither beschäftigt hat. So war es sein Wunsch, nach seinem Bachelor in Politik&Englisch mit einem Masterstudiengang sein Wissen dahingehend zu vertiefen. Und jetzt kommen wir so langsam zum Punkt:

Unabhängig voneinander kam uns dann aber immer mehr der Gedanke, dass FACE in Malawi keine einmalige Sache für uns sein sollte. Der Verein wuchs die letzten Jahre in seiner Verantwortung:
Neben der Secondary School sollte auch eine Grundschule und ein Kindergarten her. Die Zusammenarbeit von zwei völlig verschiedenen Kulturen gestaltet sich schwierig, wenn keiner vor Ort ist, um beratend zur Seite zu stehen.

Lange Rede kurzer Sinn: wir beteten um eine Zustimmung von Gott, ob es denn das Richtige wäre, Vollzeit in Malawi zu dienen. Und er gab sie. Ist unsere Aufgabe als Christen doch folgende:

„Nein, ein Fasten, das mir gefällt, ist so: Löst die Fesseln der Ungerechtigkeit, knotet die Jochstricke auf, gebt Misshandelten die Freiheit, schafft jede Art von Unterdrückung ab!

Ladet Hungernde an euren Tisch, nehmt Obdachlose bei euch auf!

Wenn du jemand halbnackt und zerlumpt herumlaufen siehst, dann gib ihm etwas anzuziehen!

Hilf dem in deinem Volk, der deine Hilfe braucht!

Dann strahlt dein Licht wie die Morgenröte auf, und deine Wunden heilen schnell. Dann zieht die Gerechtigkeit vor dir her, und die Herrlichkeit Jahwes wird deine Nachhut sein.

Wenn du dann zu Jahwe rufst, wird er dir Antwort geben; wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: ‚Ja, hier bin ich!‘ Wenn du aufhörst, andere zu unterdrücken, nicht verächtlich mit dem Finger zeigst und niemand mehr verleumdest,“

‭‭Jesaja‬ ‭58:6-9‬

Und Gott sagte zu uns ein so deutliches „JA, geht da endlich hin! Macht es, und macht es richtig, ich sorge schon für euch“, dass es kaum zu überhören war.

FACE ist ein Verein, welcher von Spenden abhängig ist. Nur durch die großzügigen und treuen Geber können die Bauten für Schulgebäude entstehen und ohne sie blieben auch unsere Lehrer unbezahlt. Und die deutschen Mitarbeiter arbeiten alle ehrenamtlich. Wir zwei würden den Rahmen sprengen, mit Personalkosten und -Aufwand.

Also meldeten wir uns bei jemand Erfahrenen auf diesem Gebiet: CFI (Christliche Fachkräfte International) ist ein Entwicklungshilfedienst, welcher vom Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt wird und Menschen wie uns teilfinanzieren. Eigentlich hat CFI ein großes Stellenportal und viele Partnerorganisationen, bei denen man eingesetzt werden kann. 50% der Projektkosten übernimmt dabei das BMZ, der restliche Teil basiert auf Spendenbasis.

„Ob man nicht ein neues Projekt aufnehmen kann? Wir würden uns auch gleich als geeignete Bewerber dafür melden“ die Antwort von CFI: „Eigentlich ungewöhnlich, so eine Projektevaluierung dauert ungefähr ein Jahr, bis alles beim BMZ durchgegangen ist, wir müssten uns das auch vor Ort anschauen.. aber bewerbt euch doch mal!“

Ende der Geschichte: FACE ist drin, wir sind drin und das alles hat keine 5 Monate gedauert. Wenn Gott JA sagt, dann steht er zu seinem Wort.

CFI ist für uns Goldwert. Einen Partner zu haben, der so erfahren ist in der Aussendung von Entwicklungshelfern ist unglaublich wertvoll. Von Reiseapotheke über persönliche Beratung bis Krankenversicherung kümmern sich die lieben Mitarbeiter um alles, was wir benötigen.

Die Fakten
– Das Ausreisedatum steht: 12.12.2018.
– Der Arbeitsvertrag ist erstmal für drei Jahre vorgesehen
– Es gibt eine Kandidatenwoche von CFI Im September
– Ab Oktober sind wir zwei Monate an der Akademie für Internationale Zusammenarbeit
– Unser Hund Nelson kommt mit

-Gott ist gut.

 

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